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Wheelie im Straßenverkehr

Die Frage nach der Legalität des Hinterradfahrens erreicht uns immer wieder und kann von uns mit einem entschlossenen „Jein“ beantwortet werden.
Da wir uns damit nicht in den Reigen diverser Internetquellen einreihen wollen, die von „verboten“ bis „erlaubt“ alles bieten und damit doch nicht die ganze Wahrheit sagen, hier eine kleine Abhandlung zum Thema „Wheelie“.

Es finden sich diverse Gerichtsentscheidungen im Netz, die zum Ausdruck bringen, dass „ein Fahren auf dem Hinterrad nicht grundsätzlich den Straftatbestand des § 315c StGB (Straßenverkehrsgefährung) erfüllt. Hieraus abzuleiten, dass Wheeliefahren erlaubt sei, wäre jedoch vorschnell.

Unter http://dejure.org/gesetze/StGB/315c.htmlAbsatz 1 Nr. 2 a) bis g) findet ihr die sieben Situationen in deren Fällen eine Gefährdung des Straßenverkehrs vorliegen kann. (Nr. 1 spielt beim Wheelie eher eine untergeordnete Rolle).
Wer auf dem Hinterrad fährt und dadurch eine solche grob verkehrswidrige Situation (Vorfahrtsmissachtung, falsches Überholen, zu schnelles Fahren an unübersichtlichen Stellen, u.s.w.) verursacht und wiederum dadurch einen anderen Menschen oder eine fremde Sache von bedeutendem Wert gefährdet handelt also sogar strafbar im Sinne des Strafgesetzbuchs!
Der entscheidente Punkt ist der, dass einem bei einem Wheelie in der Regel und zu recht Rücksichtslosigkeit unterstellt wird, da sich der Verkehrsteilnehmer in der Regel aus eigensüchigen Gründen über seine Pflichten im Verkehr hinwegsetzt oder aus Gleichgültigkeit keine Bedenken bezüglich des eigenen Fahrverhaltens aufkommen lassen (Definition des Bundesgerichtshofs).Gemäß BayObLG vom 24.04.1985, VRS 69/146, kann ein Verstoß gegen § 3 StVO vorliegen, wenn die Geschwindigkeit der durch die besondere Fahrweise eingeschränkten Reaktionsfähigkeit nicht angepasst war. Der Nachweis hierzu dürfte aber sicher schwer zu führen sein.Es soll findige Kontrollbeamte gegeben haben, die aus dieser Not eine Konstruktion im Bezug auf Bau- und Betriebsvorschriften hinsichtlich Lenkung und Bremse (§§ 38,41 StZO) gebaut haben. Uns wäre jedoch kein Fall bekannt, bei dem eine solche Anzeige vor Gericht zum Erfolg geführt hat. Denn die Bestimmung, dass ein Kraftfahrzeug zwei funktionsfähige von einander unabhängige Bremsen haben muss, bezieht sich auf einen technischen Zustand und nicht einen fahrerischen Umstand.Die einschlägige Rechtsnorm findet sich in Paragraph 1, Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung. Der bundeseinheitliche Tatbestandskatalog sieht unter Nr. 101500 für Fahren „mit einem Kraftrad auf dem Hinterrad“ und Gefährdung eines Anderen hierdurch 50 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg vor.
Dies ist die einzig zutreffende Art und Weise der Ahndung eines Wheelies. Aber nur dann, wenn eine konkrete Gefährung vorliegt, welche nicht durch die höherwertige Straßenverkehrsgefährung abgedeckt ist.Allenfalls zu beachten sind natürlich noch die weiteren Bestimmungen aus Paragraph eins, wonach Belästigungen durch Hochdrehen des Motors etc. zu vermeiden sind.Vor diesem rechtlichen Hintergrund noch einige Hinweise:1. Wheeliefahren will gelernt sein – übt am besten auf einem geeigneten Geländen und nicht im Straßenverkehr. Große, barrierefreie Übungsflächen bieten sich hierzu an.2. Schätz eure eigenen Fähigkeiten und die örtlichen Gegebenheiten realistisch ein.3. Kreuzungen und Einmündungen setzen voraus, dass ihr schnell reagieren müsst. Wenn das Vorderrad steigt, sinken eure Chancen!4. Fahrt zum Spaß – nicht zum Angeben.5. Innerorts seid ihr nicht nur schnell „zu schnell“, sondern belästigt und gefährdet auch am ehesten Andere.

ANSTÄNDIG FAHREN – Euer Team der Rennleitung#110

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